Wir werden das Reisen nicht verbieten können.

Klimaschutz ist ein wichtiges Thema. Das ist nicht nur seit dem Schulstreik von Greta Thunberg und den Aktivitäten der Friday’s for Future Bewegung bekannt. Schon in den 80ern und 90ern, als ich zur Schule ging, gab es viele Kampagnen zur Rettung des Regenwalds. Wir haben dann für wenig Geld einen Quadratmeter Regenwald gekauft und sind mit gutem Gewissen in den Urlaub geflogen. Auch saufen für den Regenwald wurde zur Mode, als ein Bierbrauer anfing für jede verkaufte Kiste Bier ein Stück Wald in Zentralafrika zu kaufen. Die Koste Bier haben wir natürlich vorher mit dem Auto vom Getränkemarkt geholt.

Seit ich mich erinnern kann, ging es mit dem Flugzeug in den Urlaub und mit dem Auto zum Flughafen. Erst seit ich in einer größeren Stadt wohne habe ich gemerkt, wie unpraktisch Autos sind. Sie stehen meist rum, da man den einmal gefunden Parkplatz nicht aufgeben will oder man verbringt nach einer Fahrt weitere 30 Minuten mit der Suche nach einem Parkplatz.

Fliegen finde ich immer noch praktisch. Ich arbeite bei einem großen Unternehmen, das Flugzeuge baut. Ich fliege auf Dienstreisen durch Europa, in die USA oder nach China. Ich habe sogar das Glück ein Sabbatjahr machen zu können und weiter um die Welt zu jetten. Damit bin ich privilegiert, aber der jährliche Flug auf die Balearen oder nach Ägypten sind etwas, das viele Menschen sich gönnen. Fast jeder will mal raus aus den eigenen vier Wänden, möchte Orte sehen, die uns auf Instagram, im Fernsehen oder in Zeitschriften präsentiert werden. Das kann man kaum jemanden verübeln. Und wer jetzt mit „doch, können wir“ kommentiert und nicht argumentiert warum und wie man das den Menschen, die sich seit den 60ern dran gewöhnt haben in den Urlaub zu fahren, von dem nehme ich einfach mal er/sie hat nur die Überschrift gelesen. Proof me wrong on that. Auch wenn Radreisen oder Bahnfahrten durch Europa seinen Reiz haben, ist es doch nett für einen geringen Preis schnell in einer anderen Klimazonen zu sein.

Hier, beim Preis, muss man vermutlich ansetzen um Menschen wirklich zum Umdenken zubewegen. Flugreisen und der motorisierte Individualverkehr werden zu einem sehr großen Teil subventioniert. Auf Flugbenzin gibt es keine Steuer, die Kosten des Autos, die die Allgemeinheit trägt, sind gut versteckt. Sie fangen mit dem Bau von Straßen und Parkplätzen an – die KfZ Steuer reicht hier bei weitem nicht aus, muss sie auch nicht, da Steuern nicht zweckgebunden sind und Straßen der Allgemeinheit zugute kommen. Die Kosten, die im Gesundheitssystem durch die Abgase in Städten entstehen – auf dem Land ist das weniger ein Problem – können nur geschätzt werden und das Menschen dadurch früher sterben kann man in Geld nicht aufwerten.

Um wirklichen Klimaschutz zu erreichen, müssen diese Kosten aber sichtbar gemacht und auch spürbar gemacht werden. Eine Kerosinsteuer auf Flugbenzin ist da ein Schritt. Gleichzeitig ist es richtig und positiv anzumerken, dass Flugzeugunternehmen die Netto-CO₂-Emissionen bis 2050 auf Null reduzieren wollen. Vermutlich werden Schadstoffe weiterhin in den oberen Luftschichten ausgesetzt, aber es ist ein sehr guter Anfang, auch wenn es keine Emissionsfreien-Flüge verspricht.

Hilfreich wäre auch eine Citymaut für das einfahren in Innenstadtbereiche, wie London es schon praktiziert, kann nicht nur die Luftqualität, sondern auch die Sicherheit auf den Straßen erhöhen. Halter von Fahrzeugen, die besonders groß sind oder einen besonders hohen Schadstoffausstoß haben, sollten hier besonders zur Kasse gebeten werden, da sie auch den öffentlichen Raum und das Gesundheitssystem besonders belasten. Im ersten Schritt könnten Elektrofahrzeuge – keine Hybriden, die eh nur als Verbrenner gefahren werden – von der Maut befreit werden. Das würde weitere Anreize schaffen sich ein schadstoffarmes Fahrzeug zuzulegen. (Ich spreche hier absichtlich nur die in der Stadt ausgestoßenen Schadstoffe an)

Die Einnahmen aus der Citymaut könnten in fahrscheinlosen ÖPNV und den weiteren Ausbau und Takterhöhungen in den Speckgürteln der Städte investiert werden. Es ist verständlich, das niemand 20 Minuten pendeln mit dem Auto gegen 60 Minuten ÖPNV tauschen möchte. Bei 30 Minuten kostenlos gegen 20 Minuten für 10€ am Tag sieht das vermutlich ganz anders aus.

Natürlich muss auch der Energiesektor stärker zur Rechenschaft gezogen werden. Die Ewigkeitskosten durch den Bergbau, die für immer verlorenen Dörfer und Landschaften durch den Braunkohle Abbau und die ungeklärte Endlagerfrage der Atomkraft sind Kosten und Aufgaben, die nachfolgende Generationen weiterhin zu schultern haben, auch wenn die Welt auf 100% erneuerbaren Energien wäre.

Positiv zu vermerken sei, dass einige Menschen gar nicht in den Urlaub fliegen, kein Auto besitzen. Dass dies aber nicht für alle realistisch ist, das sollten wir erkennen und wenigstens versuchen die wahren Kosten, die entstehen, einzupreisen und durch die Einnahmen Klimafreundliche Alternativen für alle kostenlos machen. Den CO₂-Ausstoß freiwillig über Kompensationen versuchen auszugleichen, das machen leider viel zu wenige.

Wir dürfen auch nicht mit dem Finger auf andere Länder zeigen und uns zurücklehnen, weil „dort ja viel mehr ausgestoßen wird“. Ja, China stößt mehr CO₂ aus als Deutschland es zur Zeit tut. China hat aber auch viel mehr Menschen, der Pro-Kopf-Ausstoß ist geringer. Außerdem stellt China viele Produkte für europäische Firmen und Kunden her. Diesen Ausstoß müsste man Europa eigentlich zurechnen. Viele andere Länder sind in einem anderen Status ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, wenn in Deutschland irgendwann keine Verbrennungsfahrzeuge mehr fahren, werden die letzten Verbrenner gebraucht ins Ausland verkauft. Heute fahren in ärmeren Ländern die alten Autos der 80er und 90er. In 30 Jahren werden dort die Autos fahren, die wir heute unter „Euro VI Standard“ verkaufen. Erst in vielleicht 60 Jahren werden dort auch Elektrofahrzeuge fahren. Wir müssen auch dies beschleunigen und fördern. Gerade Länder mit hoher Sonneneinstrahlung in Nord- und Zentral-Afrika, im Pazifik oder in Mittelamerika könnten mit unserer Förderung auf 100% erneuerbare Energien gebracht werden und würden Elektrofahrzeuge vollkommen emissionsfrei fahren. Die Welt muss hier zusammenarbeiten und Europa muss den ersten Schritt machen. Wir haben die Welt in den letzten 500 Jahren ausgebeutet, es ist überfällig, dass wir das zurückzahlen.

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